Nepal

Nepal besticht durch wunderschöne Natur und eine unvergleichliche Tierwelt; von Elefanten über Tiger bis zu einer großen Schmetterlingsvielfalt. Acht der zehn höchsten Berge der Welt sind hier.

Leider ist Nepal auch eines der ärmsten Länder. Immer noch leiden Menschen an Lepra, sterben an behandelbaren Krankheiten und haben keinen Zugang zu Medizin. Ein Viertel der Bevölkerung lebt unter dem Existenzminimum und hungert mehrere Monate im Jahr. Behinderte und niedere Kasten werden diskriminieret und benachteiligt.

Ein Jahrzehnt Entwicklungszusammenarbeit

März 2019

Rückblick eines Mitarbeiters

Nepal – Projektberatung und Katastrophenhilfe

Unglaublich; seit zehn Jahren leben wir als Familie nun schon in Nepal und arbeiten mit unserem lokalen Partner zusammen. Anfangs waren wir noch zu dritt. Unsere Jeti chori (Nepali, älteste Tochter) war gerade 15 Monate alt und tat ihre ersten Schritte. Wir auch …

2009 machte auch ich nach fünf Monaten Sprachschule meine ersten Schritte als Berater für die Entwicklung des Krankenhauskomplexes und stieg in die Projektarbeit mit ein, während meine Frau unser Leben organisierte. Meine Aufgaben waren Zitronengrasölproduktion, Straßen- und Gebäudeplanung, Bau bis hin zu Notstromsystemen.

2010 kam unsere Maili chori (mittlere Tochter) zur Welt und meine Frau wurde Team-Koordinatorin.

2011 entwickelte sich meine Arbeit in Richtung Erneuerbare Energien. Seither hat unser Team in Zusammenarbeit mit der deutschen Regierung mehr als 40 Photovoltaik- und Solaranlagen für Krankenhäuser und Projektbüros aufgebaut. Dazu kam die Bauleitung eines Bürokomplexes an der Grenze zu Indien und des ersten Ohrenkrankenhaus Nepals.

2013 kam Maili in die Vorschule und unser für Nepal obligatorische Sohn Kancha (der Jüngste) zur Welt. Interessanterweise machte uns danach jeder Nepali klar, dass es jetzt erstmal reiche mit den Kindern. Denn eine gebildete städtische Familie hier hat maximal zwei Kinder – damit war das auch geklärt.

2014 konnte ich das Projekt Erneuerbare Energien erfolgreich beenden und mich ganz der Baukoordination des Ohrenkrankenhauses und der Klinik in Surkhet widmen.

2015 nahm das Ohrenkrankenhaus seine Arbeit auf, seither behandeln sie täglich 60 bis 80 Patienten.

Der 25. April 2015, die Erde bebte. Mehr als 9.000 Menschen starben, 22.000 wurden verletzt, 800.000 Häuser waren zerstört oder stark beschädigt. Wir fuhren medizinische Teams und Lastwagenladungen Lebensmittel und Hilfsgüter ins Katastrophengebiet, bauten 115 temporäre Klassenzimmer für Schulen auf, lieferten Baumaterial für Häuser und versorgten 4.000 Schüler mit Büchern, Heften und Stiften. Gesundheitsstationen erhielten Medizin und Ausrüstung und Menschen mit Wirbelsäulenverletzungen wurden in unserem Krankenhaus versorgt.

2016 eröffnete INF eine Abteilung für Katastrophenhilfe und -vorsorge, sie aufzubauen war meine Aufgabe. Wir trainierten hunderte Handwerker im Bau von sicheren Häusern und trainierten Mitarbeiter und Freiwillige in Erster Hilfe, Katastrophenvorsorge und Notfallrettung. Materiallager und Kooperationsnetzwerke wurden aufgebaut. Das System bewährte sich in 20 lokalen Einsätzen, von Überschwemmungen über Erdrutsche bis hin zu Bränden.

2018 kam Kancha in die Schule. Meine Frau übergab die Teamkoordination an den neuen Leiter und übernahm eine Teilzeitstelle als Lehrerin. Das Fistula-Krankenhaus für Geburtshilfe öffnete seine Pforten. Unsere Partnerorganisation bekam einen neuen Direktor. Man berief mich zum Leiter der neuen Abteilung für Partnerschaft und Öffentlichkeitsarbeit. Seither habe ich unsere NGO auf den Philippinen, in Thailand, Deutschland, USA und Nepal auf Konferenzen und Partnertreffen vertreten, während meine Frau mit den Kindern den Schulstress, ihre Aufgabe als Teilzeitlehrerin und den Alltag in Nepal bewältigte.

2019 schauen wir dankbar auf zehn gesegnete Jahre zurück. Unsere Kinder sind in Nepal großgeworden und sehen es als Heimat. Wir haben wunderbare Erfolge erlebt, aber auch schwere Zeiten, wenn wir auf Visa warten mussten, mit Krankheiten und Verlusten zu kämpfen hatten oder mit immer neuen Veränderungen. Wir wissen uns am rechten Ort und stehen benachteiligten Menschen zur Seite. Gespannt erwarten wir die nächsten Jahre und sind von Herzen froh, dass wir diesen Weg nicht alleine gehen …

 

Ohrenkrankenhaus in Pokhara

November 2015

Nach über 4 Jahren Planung und 19 Monaten Bauzeit sind wir froh und dankbar, dass das neues
INF Ohrenkrankenhaus in Pokhara fertiggestellt wurde. Unser PV-Mitarbeiter war hier maßgeblich in der Planung und Elektrik beteiligt. Am 3. Nov. fand die Eröffnung im Rahmen eines zweiwöchigen Ohrencamps statt. 

Das Ohrenkrankenhaus in Pokhara ist per Webcam zu bestaunen:
www.ear-for-nepal.org/#!webcam/c1uev

Einführung von erneuerbaren Energien

In Kooperation mit unserem nepalesischen Partner unterstützte Provide im Mittleren Westen Nepals die Einführung von erneuerbaren Energien in Krankenhäusern und medizinischen Projekten für Nicht-Regierungsorganisationen (NRO/NGO). In über 25 kleinen Projekten werden in den folgenden zwei Jahren Photovoltaikanlagen und Solarwarmwasseranlagen für Krankenhäuser, Tageskliniken, Ernährungszentren, Reha-Einrichtungen und anderen Entwicklungsprojekte konzipiert und mit staatlichen Hilfen den Nepalis zur Verfügung gestellt. 

Zusätzlich beraten und schulen die internationalen Mitarbeiter von Provide lokale NGOs in den Bereichen Energienutzung, Projektmanagement, Finanzmanagement, Technik und Fremdsprachen. Dabei werden einheimische NGO-Mitarbeiter auch zusätzlich in den Bereichen Energiesparen, Klimaveränderung und Umweltschutz trainiert. 

Provide unterstützte und berät lokale NGOs im Bereich von anfallenden Bauvorhaben für Kliniken und Krankenhäuser.

Unsere Provide Mitarbeiter in Nepal unterstützen durch Trainings und Projektanalysen zusätzlich noch Entwicklungsprojekte in anderen Ländern Südost- und Zentralasiens.

Die von Provide unterstützten und beratenen Projekte kommen jährlich mehr als 50.000 Nepalis zugute und fördern den verantwortungsvollen Umgang mit Menschen, Energie und Umwelt.

Um Kontakt mit den verantwortlichen Projektleitern aufzunehmen, schreiben Sie uns hier bitte Ihr Anliegen mit dem Stichwort Nepal.

 

Auf den gefährlichsten Straßen der Welt

Ein Erfahrungsbericht

Wir brachen mit einem sechsköpfigen Team auf, um in den Bergen des Himalaja fünf Photovoltaik-Anlagen in medizinischen Einrichtungen zu installieren. Eine Reise, die uns über die gefährlichsten und höchsten Straßen der Welt führte:

Als erste Etappe fuhren wir zwölf Stunden mit dem Kleinbus an die indische Grenze nach Nepalgunj. Hier beluden wir abends den Geländewagen, um früh am nächsten Morgen in die Berge aufzubrechen. Wir wollten bis 19 Uhr die Stadt Manma in Kalikot erreichen. Wegen der extrem schlechten Straßen und unserer fast 800 Kilogramm Ladung waren wir abends jedoch noch nicht am Ziel. Wir entschieden uns zur Weiterfahrt bei Nacht, was ziemlich riskant ist. Die steinigen Bergpässe, oft nur Schotter- und Geröllpisten, führen ohne Leitplanken an bis zu 500 Meter tiefen Schluchten entlang. Da traut man sich kaum, runterzusehen. Um 21 Uhr platzte an einer steilen Passage ein Reifen. Bei 20 Grad Steigung wechselten wir im Dunkeln das Rad und erreichten um 23 Uhr endlich Manma.

Morgens um sechs Uhr ging es weiter. Doch schon fünf Minuten später war wieder eine Pause angesagt, denn mitten auf der engen Bergstraße – links die hohe Felswand, rechts der Abrgund – war unser letzter Ersatzreifen geplatzt. Wir kamen nicht mehr weiter. Die Lastwagen hinter uns und entgegenkommende Fahrzeuge stauten sich, ihre Fahrer hupten und gestikulierten wild. Wir versuchten, unser Auto trotz des platten Reifens noch an eine sichere Stelle zu manövrieren, wo Trucks und Autos vorbeifahren konnten. Viel Hupen und eine ganze Stunde später war das dann auch geschafft.

Wir warteten eine weitere Stunde, bis endlich ein Fahrzeug mit der gleichen Reifengröße vorbeikam, mit dem Leiter einer Straßenbaufirma, die weiter oben für die Regierung die Straße ausbaute. Er war freundlich, lieh uns seinen schon mehrmals geflickten Ersatzreifen, und wir konnten die Hälfte unserer Ladung in seinen Pickup umladen, um unseren Geländewagen zu entlasten. Gemeinsam fuhren wir bis zum Bauhof seiner Firma, wo wir unsere kaputten Reifen flicken lassen konnten. Nach etwas Verhandeln vermietete und sie Baufirma noch einen Pickup, so setzten wir gegen Mittag als Karawane unseren Weg nach Jumla fort.

Am nächsten Morgen teilten wir uns auf. Ein Team brachte das Material mit Trägern zu Fuß zu drei abgelegenen Distriktbüros. Das andere bereitete den Aufbau der Anlagen in Jumla vor und brach am nächsten Morgen die zwei Tagesreisen nach Gamgadhi auf. Wieder mussten wir mehr als 20 Mal anhalten, Steine von der steilen Straße räumen und mit Schaufel und Hacke Löcher im Weg ebnen. Stunden vor dem Ziel riss noch unser Kupplungsschlauch, was uns zu einer Übernachtung am Straßenrand zwang. Am nächsten Morgen organisierten wir Träger für unsere 250 Kilo Material und gingen die letzten vier Stunden zum Büro nach Gamgadhi zu Fuß.

Nach zwei geplatzten Reifen, einer gerissenen Kupplungsleitung, einer verbeulten Antriebswelle, 80 Stunden Fahrt, sechs Tagen zu Fuß, Durchfall, fünf neu aufgebauten Solaranlagen und jeder Menge neuer Erfahrungen kehrten wir nach Nepalganj zurück. Unsere Hilfe ist nur ein Lichtstrahl in der Nacht – die Solaranlagen dienen dazu, dass Menschen in entlegenen Regionen medizinisch geholfen wird. Aber genau das ist unser Auftrag: „Licht und Hoffnung ins Dunkel im Westen von Nepal zu bringen.