Kasachstan - "Haus der Hoffnung" für Frauen in Not

Februar 2019

Alltag

Aigul steht kurz vor der Entbindung ihres dritten Kindes. Ihr Alltag ist  sehr schwer und belastend. Wieder ist ihr Mann betrunken nach Hause gekommen und hat sie wiederholt geschlagen. In großer Eile bringt der Krankenwagen Aigul in das nächstgrößere Krankenhaus. Gott sei Dank, dem Baby ist nichts passiert, sagen die Ärzte. Auch ihre Kopfverletzung ist nicht ganz so schlimm, wie es im ersten Moment aussah. Wie soll es weitergehen? Trotz offiziellem Kontaktverbot taucht ihr Mann immer wieder bei ihr auf und bedroht sie und ihre Kinder. Angst und Hilflosigkeit sind ihre ständigen Begleiter. Niemand schützt sie. Von ihrer Verwandtschaft erwartet sie auch nichts mehr. Aigul ist verzweifelt. So macht ihr Leben keinen Sinn. Sie kann nicht mehr. Immer öfter denkt sie an Selbstmord.

Häusliche Gewalt, strenge Traditionen, männliche Dominanz sind trotz mancher Fortschritte in Bezug auf die Gleichstellung der Frau für viele immer noch Realität in Kasachstan. Offiziellen Angaben zufolge hat mindestens jede fünfte Frau bereits körperliche und / oder sexuelle Gewalt durch ihren Partner erlebt. Die tatsächliche Zahl der Betroffenen bleibt im Dunkeln, da viele Frauen aus Scham schweigen. Jährlich begehen schätzungsweise mehr als 700 Frauen Selbstmord, um der Brutalität im eigenen Haus zu entfliehen. Ein Drittel aller Morde sind auf häusliche Gewalt zurückzuführen.

Viele Kinder in solcher Umgebung erleiden schwere seelische Schäden. Sie erleben Gewalt am eigenen Leib oder werden unfreiwillig Zuschauer von solcher. Keine Sicherheit in der Familie, die doch eigentlich Geborgenheit und Schutz vermitteln soll, Verwahrlosung, mangelnde Schulbildung, physischer und psychischer Missbrauch hinterlassen schlimme Spuren in der Seele.

Das Projekt

In Shymkent, mit einer Million Einwohner die drittgrößte Stadt Kasachstans, gab es bisher kaum Einrichtungen für Frauen und Kinder in Not. 2018 entstand die gemeinnützige Organisation „MAYAK“ (Leuchtturm). Sie planen ein „Haus der Hoffnung“, ein Ort der Ruhe und Sicherheit für Frauen und Kinder in Krisen. Hier werden sie Hilfe finden, um die Folgen von Gewalt und Lebenskrisen wie Scheidung, Tod des Ehemannes oder eine ungewollte Schwangerschaft aufzuarbeiten. Die Klienten erhalten professionelle Beratung und entwickeln neue Lebensperspektiven. Ziel ist, Frauen und Kinder aus schwierigen und traumatischen Situationen langfristig begleitend zur Seite zu stehen. Das „Haus der Hoffnung“ wird Frauen einen Schutzraum anbieten, die sonst keine Chance auf Hilfe haben.

Die Bewohner des Hauses erleben Schutz, eine gewaltlose, sichere Umgebung und ein gesundes Miteinander in einer Gruppe, die sie respektiert. Sie erhalten gesundes Essen und Kleidung. Darüber hinaus werden die Frauen beraten, geschult und individuell unterstützt. In Gruppenarbeit, Einzelgesprächen und in der Gemeinschaft mit anderen Betroffenen bekommen sie die Chance, neues Selbstwertgefühl zu entwickeln, ihre Fähigkeiten und Begabungen zu entdecken und ihre Persönlichkeit zu entfalten. Eine gute Prävention gegen Selbstmordgedanken. Kreativkurse, Schulung des handwerklichen Geschicks und Sportangebote sollen das Programm abrunden. Das Team wird ihnen im Umgang mit Ämtern und bei der Wohnungs- und Arbeitssuche zur Seite stehen, bis sie in Eigenverantwortung ihren Alltag meistern können. Kinder erhalten besonders auf sie angepasste Unterstützung. Im „Haus der Hoffnung“ sind sie angenommen und erleben sich selbst als wertvoll.

Der Traum

Schon lange träumen die Mitarbeiter, die bisher Frauen durch Hausbesuche begleitet und beraten haben, von diesem „Haus der Hoffnung“. Denn hier ist es möglich, ihnen für längere Zeit qualifizierte Hilfe und ganzheitliche Unterstützung zukommen lassen zu können. Im November 2018 hat MAYAK ein Grundstück erworben, nun laufen die Planungen für den Bau des neuen Frauenhauses …

Sie möchten helfen?

gerne können Sie Teil dieser Arbeit zu werden:

  • Unterstützen Sie die die Arbeit unter hilfebedürftigen Frauen in Shymkent und den Bau eines neuen Frauenschutzhauses mit Ihrer Spende. Geben Sie im Verwendungszweck als
    Spendencode an: P4606 Kasachstan, Leuchtturm